MANIC MONDAY REVIEW – von Matteo Baldi

SEBASTIAN: Du bist schon wieder eingeschlafen.
DANIELA:  Nein nein, gar nicht, bin schon wach, hab nur kurz, die Augen... Was machst du jetzt?
SEBASTIAN: Na, zurückspulen halt.

Mitte Oktober erreichte die Studierenden des Schweizerischen Literaturinstituts in Biel eine Einladung des Konzert Theater Bern. Das Institut erhielt eine Carte Blanche für den MANIC MONDAY in der Mansarde des Theaters – die neue Montagsreihe, in der kleine theatralische, musikalische und tänzerische Produktionen aufgeführt werden.

Kleine Produktion; grosse Herausforderung. Die Studierenden Ariana Emminghaus, Olga Schmitz, Bettina Scheiflinger, Dominik Holzer, Matteo Emilio Baldi und Cyril Walker hatten sich, unter der Orchestrierung von Simone von Büren und Francesco Micieli, der Aufgabe angenommen, in nur rund einem Monat bühnenreife Texte zusammenzustellen.

Die Teilnehmenden brachten bei einem ersten Treffen Ende Oktober ihre persönlichen Texte ein, die unterschiedlicher nicht sein konnten – so schien es: Inhaltlich reichten die Texte vom Grünabfall bis zur schwangeren Regenwolke.

Mit viel Malerklebeband wurden die Ausdrucke ein erstes Mal arrangiert und vorläufig fixiert. Umso dünner die Kleberrolle wurde, umso mehr festigte sich die Gewissheit, dass die Texte im Grunde um ein Thema kreisten: Wer sind wir tatsächlich in einer ausdifferenzierten Gesellschaft, in der jedes Teilsystem wie etwa die Familie, die Nachbarschaft, der Arbeitsplatz oder auch die Theaterbühne andere Rollen von uns verlangt?

Die Texte schmiegten sich unter diesem Gesichtspunkt aneinander, fügten sich ein in eine Dramaturgie, die sich im  Arbeitsprozess beinahe organisch ergab. Am Nachmittag des 3. Dezembers standen die kurzen Proben an: Nach gerade Mal zwei Durchläufen mussten alle inszenatorischen Fragen für die Aufführung am Abend geklärt sein. Die Schauspielenden Daniela Luise Schneider, Luka Dimic und Sebastian Schulze waren der Aufgabe gewachsen und konnten mit viel Hingabe das Publikum und nicht zuletzt auch die Schreibenden selbst begeistern.

Die Zusammenarbeit mit dem Konzert Theater Bern war für die beteiligten Schreibenden eine wertvolle und schöne Erfahrung, die sie aus den privaten Schreibzimmern lockte und zeigte: Grosses spielt auch auf kleinen Bühnen.

Luka: (unterbricht Daniela) Genau, also eben GESELLSCHAFT. Und ich war einfachimmer so: Hä? Wovon reden diese Leute? Was für eine Gesellschaft? Was ich Ihnen mitteilen will: Sie sind ja jetzt hier ins Theater gekommen. Sie gehen ja davon aus, dass das Theater – aufklärerische Aufgabe – gesellschaftsrelevante Themen – Kritisch – Zeitnah. Also – das ist ja der einzige Grund, weshalb wir noch ein wenig Geld bekommen: Gesellschaftliche Relevanz.

Daniela: (Hustet) OPERNHAUSSUBVENTIONEN